Experten-Meinung 3 Min. Lesezeit

“Ein Restrisiko gibt es im Urlaub immer – auch ohne HAE.”

HAE & Travel
Prof. Wedi
PROF. WEDI

So beschreibt Prof. Wedi einen Gedanken, der für viele Menschen mit HAE entlastend sein kann: Nicht jedes Risiko kann aus dem Leben herausgeplant werden. Und das muss es auch nicht. Wer reist, wer für ein Studium ins Ausland geht oder wer einfach nur Dinge ausprobiert, geht immer auch ein gewisses Risiko ein. Das gilt für Menschen mit HAE – aber das gilt für alle anderen auch.

Für Prof. Wedi ist deshalb nicht die Frage entscheidend, wie man jedes denkbare Risiko ausschließen kann. Entscheidend ist, gut vorbereitet zu sein und danach wieder ein normales Leben zuzulassen. „Es geht nicht darum, das Leben immer kleiner zu machen“, bringt sie es auf den Punkt. Sie ist überzeugt, dass es stattdessen darum geht, die Dinge realistisch zu sehen und sich zu fragen: Was will ich machen? Was brauche ich dafür? Was gibt mir Sicherheit? Und was darf ich mir wieder zutrauen?

„Vorbereitung ist gut. Aber sie soll nicht die Vorfreude auf den Urlaub trüben.“

PROF. WEDI

Prof. Wedi erzählt von Patienten, die viel gereist sind, sehr weit weg, und nicht immer ganz so luxuriös. Mit Medikamenten im Gepäck, mit einem Plan für den Fall der Fälle, aber sonst ohne, dass HAE die ganze Reise bestimmt hat. Genau da liegt für sie der entscheidende Unterschied: Vorbereitung ist gut. Aber sie soll nicht die Vorfreude auf den Urlaub trüben.

„Natürlich gibt es auch Gelegenheiten, bei denen ein Storno sinnvoll ist. Wenn ich gerade akut krank bin, wenn ich mich nicht gut fühle, wenn medizinisch etwas dagegen spricht, dann darf ich auch mal eine Reise verschieben.“ Aber aus Gewohnheit oder aus dem Gefühl heraus, dass man mit HAE besser verzichtet, müsse nicht jeder Plan kleiner werden.

„Man kann eben nicht alles kontrollieren“ – diese Feststellung ist kein Aufruf zu Sorglosigkeit. Sie ist eine Einladung, Vorbereitung und Vertrauen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dann heißt 100 % Urlaub machen nicht, alles abzusichern, sondern gut vorbereitet zu sein und entspannt loszufahren.

„Wichtig ist, herauszufinden, was sich gut und sicher anfühlt.“

PROF. WEDI

5 Tipps fürs Packen

  • 1. Medikamente immer griffbereit halten: Bewahre deine Medikamente während der gesamten Reise im Handgepäck auf und sorge dafür, dass sie jederzeit leicht zugänglich sind. Verspätungen, Gepäckverlust oder unerwartete Änderungen können vorkommen – mit deiner Medikation in Reichweite reist du entspannter.
  • 2. Lieber etwas mehr einpacken: Plane zusätzliche Medikamente und benötigte Materialien ein, falls sich deine Rückreise verzögert oder sich Reisepläne kurzfristig ändern. Gut vorbereitet zu sein, kann unterwegs viel Sicherheit geben.
  • 3. Medizinische Informationen mitnehmen: Führe eine kurze Übersicht zu deiner Erkrankung, wichtige Kontaktdaten sowie relevante medizinische Dokumente mit dir. Sollte unterwegs medizinische Unterstützung notwendig sein, sind diese Informationen schnell zur Hand.
  • 4. Gut organisiert reisen: Nutze Reiseetuis, Packtaschen oder beschriftete Beutel, um Medikamente und wichtige Reiseutensilien übersichtlich aufzubewahren. Eine gute Organisation spart Zeit und sorgt besonders an langen Reisetagen für mehr Ruhe.
  • 5. Auf das Reiseziel vorbereitet sein: Berücksichtige bei deiner Planung das Reiseziel, das Klima und den Ablauf deiner Reise. Ob Großstadt, abgelegene Region oder sonniges Urlaubsziel – wer die eigenen Bedürfnisse mitdenkt, reist oft entspannter und selbstbewusster.